„Als Luther noch katholisch war…“ unter diesem Motto waren 25 Teilnehmende, etwa zur Hälfte katholisch und evangelisch, zum Abschluss des Lutherjahres unter der Leitung von Karl-Heinz Meilwes, Bernward Kalbhenn und Pfarrer Dr. Dieter Haite auf einer Studienreise der Katholischen Erwachsenenbildung Hannover auf ökumenischen Spuren in Rom unterwegs.

„In Rom“ – so in der Ausschreibung der Reise – „ist das Einende und Trennende der evangelischen wie der katholischen Kirchengeschichte in verdichteter Weise zu erfahren. Vieles in „Ewigen Stadt“ wird deshalb von Katholiken und Protestanten immer noch – trotz aller Fortschritte in der Ökumene – unterschiedlich gesehen.“

Ziel der Studienreise waren daher neben den „Klassikern“ wie Petersdom und Vatikanischen Museen Orte, die Martin Luther 1510 oder 11 (sechs Jahre vor seinem Thesenanschlag), möglicherweise in Rom besucht hat. Als Orte werden in den Biographien genannt: die Lateranbasilika mit der Scala Sancta, der Heiligen Treppe, die Kirchen Sant‘ Agostino (Augustinerkirche mit Augustinerkloster) oder die deutsche Kirche Santa Maria dell Anima. Orte die von der römischen Kunsthistorikerin Sabine Ruhe den Teilnehmer_innen sehr fachkundig nahegebracht wurden.

Weitere Ziele waren Orte protestantischen und ökumenischen Lebens in Rom sowie der Friedhof für Nichtkatholiken, auf dem u. a. August Goethe, der Sohn des Dichterfürsten und der Diplomat August Kestner, auf dessen Initiative das gleichnamige Hannoversch Museum zurückgeht, beigesetzt sind

So galt ein Besuch der über hundert Jahre alten Christuskirche, dem Sitz der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom mit ihren etwa 500 Mitgliedern. Wie ihr Pfarrer Jens-Martin Kruse erläuterte, erfüllt die nur ein paar Minuten vom Petersplatz entfernte Gemeinde „inoffiziell und informell die Aufgabe einer „Botschaft“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beim Vatikan. Der Besuch von Papst Franziskus in der Gemeinde, bei dem er als Gastgeschenk einen Abendmahlskelch als ein starkes Zeichen ökumenischer Verbundenheit, überbrachte, erregte weltweit große Aufmerksamkeit.

Ein weiteres Ziel war die Waldensische Theologische Fakultät, die älteste Hochschule für evangelische Theologie in Italien. „Sie steht“ – so ihr Dekan Prof. Dr. Fulvio Ferrario – „nicht nur Waldensern, Methodisten und Baptisten offen, sondern der gesamten protestantischen Kirche Italiens sowie den ökumenischen und interreligiösen Vereinigungen, die an der protestantischen Theologie interessiert sind. Die Fakultät versteht sich als ein Ort Begegnung und des Dialogs, was vor allem zwei Elementen zu verdanken ist: dem Bewusstsein um die eigenen protestantischen Wurzeln und der Sensibilität für ökumenischen Themen, so dass sowohl Studenten aus den protestantischen Kirchen in Italien und im Ausland wie auch evangelische, katholische oder alle an theologischen und bibelwissenschaftlichen Fragen Interessierte willkommen sind, selbst wenn sie keiner Kirche angehören.“

Sehr beeindruckend empfanden die Teilnehmenden auch die Begegnung mit der Gemeinschaft Sant’Egidio und dem anschließenden Gottesdienst. Die Gemeinschaft entstand 1968 in Rom in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Heute ist sie eine Laienbewegung, zu der mehr als 60.000 Personen gehören. Sie setzt sich in Rom, in Italien und in mehr als 70 Ländern der Welt für die Weitergabe des Evangeliums und im Dienst an den Armen ein. Sant’Egidio ist ein „Öffentlicher Verein von Gläubigen“ in der Kirche. Die verschiedenen Gemeinschaften auf der ganzen Welt sind durch dieselbe Spiritualität miteinander verbunden. Darüber hinaus sind die Ökumene und der Dialog als Weg des Friedens und der Zusammenarbeit unter den Religionen, als Lebensweise und als Methode für die Versöhnung in Konfliktfällen ein weiteres Anliegen von Sant’Egidio. Dies wurde auch vom Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier gewürdigt, der am Tag nach der Begegnung die Gemeinschaft besuchte.

Wer auf Spuren Luthers unterwegs ist, kommt nicht an den Augustinern vorbei. Im Gespräch mit Pater Franz Klein OSA beim Generalrat der Augustiner in Rom wurde nicht nur der Einfluss der augustinischen Theologie auf Martin Luther und seine heutige und frühere Rezeption bzw. Nicht-Rezeption im Augustinerorden diskutiert. Pater Klein stellte in anschaulicher und humorvoller Form – insbesondere auf Nachfragen der protestantischen Teilnehmer_innen - den Habit (die Mönchskleidung) vor, den auch Martin Luther einst getragen hatte.

Die Mittwochsaudienz mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz war ein weiterer Höhepunkt der Studienreise. Hier wurde – unterstrichen durch die große Teilnehmerzahl und die Vielzahl der Übersetzungen der Papstworte in viele Sprachen – Weltkirche bzw. universales Christentum für alle Teilnehmenden unmittelbar spürbar.

Die Größe und Weite des Petersplatzes kontrastiert mit der „Piazza Martin Lutero“. Inmitten eines kleinen Parks, in Sichtweite des Kolosseums ist der Platz ein Symbol der Ökumene im katholischen Rom. Der Vatikan hat die Gärtnerarbeiten vor Einweihung des Platzes im Jahr 2015 finanziert. „Was Martin Luther sicher erfreut hätte“, wie ein Reiseteilnehmer anmerkte.

Den Schlusspunkt der Reise bildete ein Besuch in der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl. Die Gruppe konnte zwar nicht von der Botschafterin Anette Schavan persönlich begrüßt werden. Doch im ausführlichen Gespräch mit dem geistlichen Botschaftsrat Oliver Lahl, zuständig für religiöse und kirchliche Fragestellungen, konnten nicht nur Fragen von Kirche und Staat sondern auch Einschätzungen zum Pontifikat von Papst Franziskus, insbesondere in Hinblick auf die Ökumene, erörtert werden.

Mit einer Fülle von Eindrücken ging eine, nach übereinstimmender Meinung aller Teilnehmenden, gleichermaßen anstrengende wie interessante Studienreise zu Ende. Eine Reise die mit all ihren Begegnungen und Erfahrungen neue Perspektiven eröffnete doch zumindest von der An- und Abreise und von Aufenthaltsbedingungen her weniger beschwerlich war als zu der Zeit „als Luther noch katholisch war“.

Karl-Heinz Meilwes


© 2019 - Katholische Erwachsenenbildung in der Diözese Hildesheim e.V.