„Katholisch im protestantischen Rom - Ökumene gestern und heute in Hannover“, war das Thema der ersten Veranstaltung in einer fünfteiligen Reihe aus Anlass „300 Jahre Basilika St. Clemens“ in Hannover.

Propst Martin Tenge im Gespräch mit Stadtsuperintendent Hans Martin Heinemann und dem Moderator Rüdiger Wala, Kirchenzeitung Bistum Hildesheim

In einem historischen Rückblick zeigte Prof. Dr. Hans Georg Aschoff, Historiker an der Leibniz-Universität Hannover, dass es in Hannover schon immer ein „besonderes ökumenisches Klima“ in Hannover gegeben habe.

Als besondere Protagonisten nannte er den Philosophen Leibniz und auf katholischer Seite den Mediziner und Theologen Niels Stensen. Dennoch habe es bis in die jüngere Vergangenheit stabile protestantische und katholische Milieus gegeben. Erst der Kirchenkampf im Dritten Reich führte zu einer Annäherung der Konfessionen. Diese verstärkte sich in der Nachkriegszeit durch die Bewältigung praktischer Aufgaben. Ein besonderes Entgegenkommen zeigte die Evangelische Landeskirche, als sie einen großen Teil ihrer Kirchen für den katholischen Gottesdienst zur Verfügung stellte. 1946 entstand in Hannover ein evangelisch-katholischer Arbeitskreis. Wichtige Impulse für die ökumenische Arbeit gingen vom hannoverschen Katholikentag 1962 aus, in dessen Verlauf es zur ersten offiziellen Begegnung führender Vertreter der Katholischen Kirche mit Repräsentanten der Evangelisch-lutherischen Landekirche kam. In Folge des Zweiten Vatikanums intensivierten sich auch in Hannover die Kontakte zu evangelischen Nachbargemeinden in Form von Bibelkreisen und gemeinsamen Gottesdiensten. Es entstanden auch gemeinsame ökumenische Einrichtungen wie das Kirchen-Center auf dem Messe-Gelände oder der Andachtsraum auf dem Flughafen Langenhagen. Im Stadtteil Mühlenberg wurde ein ökumenisches Zentrum gebaut, das die evangelische Kirche der Bonhoeffergemeinde und die katholische Kirche der Maximilian-Kolbe-Gemeinde „unter einem Dach“ vereinigt.

Dieses gute, geschwisterliche Miteinander unterstrichen, im vom Redakteur der Kirchenzeitung im Bistum Hildesheim, Rüdiger Wala, moderierten Gespräch, Stadtsuperintendent Hans Martin Heineman und Regionaldechant, Propst Martin Tenge. Das werde deutlich in vielen gemeinsamen ökumenischen Gottesdiensten und Initiativen, Stellungnahmen zu Themen der Stadtgesellschaft und großzügig gewährten Gastfreundschaften, wofür beispielhaft und bundeweit wahrgenommen, die letztjährige Fronleichnamsprozession stehe, die in der (evangelischen) Marktkirche Station machen konnte. Ein Symbol für diesen herzlichen ökumenisch-liturgischen Austausch sei das alljährliche Geschenk einer für die Basilika St. Clemens und die Marktkirche gleich gestalteten Osterkerze durch die katholische Kirche an den evangelischen Stadtkirchenverband. Aber bei aller Gemeinsamkeit könne man aber wie unter Geschwistern über Unterschiede und Dissensen offen reden. Vor diesem Hintergrund sei auch die Arbeit an einer gemeinsamen hannoverschen Arbeitshilfe zur Eucharistie und zum Abendmahl zu verstehen. Aber „es bleibt Aufgabe für beide Kirchen angesichts von sich verschärfenden gesellschaftlichen Unterschieden – so Stadtsuperintendent Heinemann – „Christus in die Stadt zu tragen - und das können wir nur gemeinsam tun.“


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