Bischof Norbert wird 75 Jahre und die KEB ist mit dabei

Herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen

Am Samstag lud Bischof Norbert Trelle zu einem Bunten Fest am Domhof ein. Anlass war der 75. Geburtstag von ihm und seiner Zwillingsschwester Gisela.

Laut Kirchenrecht müssen Bischöfe ihren Amtsverzicht mit der Altersgrenze von 75 Jahren anbieten. Papst Franziskus hat sein Rücktrittsgesuch angenommen, wie der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, in einem Dankgottesdienst im Hildesheimer Dom bekanntgab.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße würdigte Bischof Trelle in seiner Festpredigt als "sehr bodenständigen, normalen Bischof, dem die Mitra nicht zu Kopf gestiegen ist." Er sei ein normaler Mensch, "weil er immer wieder am rechten Ort war, auf den Bauplätzen von Welt, Mensch und Kirche." Gemäß seinem Leitspruch FUNDAMENTUM EST CHRISTUS JESUS.

Hunderte Menschen feierten im Anschluss an den Gottesdienst seinen Abschied. Es gab ein buntes Programm für Jung und Alt mit Musik und Theater. Unter anderem waren das Improvisationstheater Schmidt´s Katzen, die Gruppe Brabadru und das Klangorchester St. Franziskus vom Röderhof mit dabei.

Die Familienbildungsstätte der KEB zog mit Ihrem Stand vor allem die jüngeren Besucher an. Es gab eine Spielecke für die Allerkleinsten. Die Größeren konnten Wurfsäckchen herstellen und Ihrer Kreativität beim Basteln von Schlüsselanhängern und Kettchen aus Fimo freien Lauf lassen. Die Kleinen verwandelten sich beim Schminken u.a. in Schmetterlinge und Mäuschen und gewannen so auch die Aufmerksamkeit von Bischof Norbert Trelle. Er bewunderte die schönen Gesichter der Kinder und bedankte sich bei Ihnen, denn sie sind das I-Tüpfelchen auf dem Fest.

Laut Kirchenrecht ist nun der dienstälteste Weihbischof des Bistum, Nikolaus Schwerdtfeger, vorübergehend der Leiter der Diözese. Das Domkapitel muss jedoch innerhalb von acht Tagen einen Diözesanadministrator wählen, der das Bistum übergangsweise verwaltet. Er hat die Rechte und Pflichten eines Bischofs, darf aber keine Grundsatzentscheidungen treffen, die einen neuen Bischof langfristig binden würden.

Im Namen der KEB wünschen wir unserem Bischof alles Gute im Ruhestand und schließen ihn in unsere Gebete ein. Zum Abschluss geben wir die Bitte des Bischofs weiter, dass alle Christen diejenigen ins Gebet einschließen, die den neuen Bischof wählen, dass sie eine gute Wahl treffen und einen würdigen Nachfolger bestimmen.

 

Jedes Wort wirkt!

Mit bewusster Sprache klar und wertschätzend führen mittels LINGVA ETERNA®

LINGVA ETERNA® ist ein Sprach- und Kommunikationskonzept, dass sich mit der differenzierten Wirkung der eigenen Sprache befasst. Präsenz und Ausstrahlung für den pädagogischen Alltag stärken, ein friedvolles und konstruktives Klima in den Gruppen und der Einrichtung schaffen, Kinder und Jugendliche klar und wertschätzend führen. Mit diesem Ziel haben Kursleitungen aus den Eltern-Kind Kursen und weitere pädagogische Fachkräfte aus dem Schulbereich an einem Workshop in der Familienbildungsstätte der KEB teilgenommen. Unter Leitung der LINGVA ETERNA Dozentin Frau Eva Nerger-Bargellini wurde an diesem Tag deutlich, wie sich die Sprache auf die Kommunikation und auf das eigene Denken und Handeln auswirkt und nicht zuletzt auch die Entwicklung von Persönlichkeit fördert. Eine klare, wertschätzende und zielorientierte Sprache schafft ein Klima von Vertrauen und fördert Lösungen. Sprache wirkt auf unser Leben. In ihr ruht eine Kraft, die nur darauf wartet, dass wir sie achtsam einsetzen. Anhand von eigenen Erlebnissen und Beispielen beim Umgang mit Sprache „Ich muss noch schnell…“ wurden ganz alltägliche Formulierungen neu betrachtet und auf sich wirken gelassen. Sätze als Energieräuber und Erfolgsverhinderer wurden enttarnt. Es gilt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Ballast abzuwerfen. Anhand der drei Säulen des Sprach- und Kommunikationskonzeptes bestehend aus Präsenz – Klarheit -Wertschätzung wurde Sensibilität geschaffen für die Kraft der Sprache und wie wir sie für uns einsetzen können. Stärken der eigenen Präsenz durch das Gewinnen der vollen Aufmerksamkeit („Die drei A“). Wirksam führen mit klaren, wertschätzenden Bitten. Mit Personalpronomina Wertschätzung stärken und fördern.

Weiterführende Literatur:

  • Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf (Hrsg.), Eva A. Nerger-Bargellini u.a.: Jedes Wort wirkt! Bewusste Sprache in der Pädagogik. LINGVA ETERNA Verlag
  • Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf: Deutlich reden, wirksam handeln. Kindern zeigen wie Leben geht Verlag HERDER Spektrum

 

Herzlichen Glückwunsch!

Unsere frischgebackenen Kursleitungen für die Eltern-Kind-Kurse.

Nach erfolgreichem Abschluss des KEB-Zertifikatskurs „Leiten von Eltern-Kind-Gruppen“ – Basiskurs erhielten alle Teilnehmerinnen das Zertifikat und werden nunmehr als Kursleitungen in unseren Krabbelgruppen, Eltern-Kindgruppen und Spielkreisen arbeiten.

Wir freuen uns über die Verstärkung unseres Teams.

Namen von links nach rechts: Emine Haydar, Seyhan Zengin, Anna Reidel, Franziska Wolf (Leiterin Fabi KEB), Sevgi Aktürk, Esmeralda Hyska, Melek Dönmez (Kinderbetreuung)

Unterschiedlich aber gemeinsam

Familiensprachkurs in Ochtersum beendet

Mit der Übergabe der Teilnahmebescheinigungen an 14 Frauen und Männer endet der Sprachkurs Deutsch für Geflüchtete in den Räumlichkeiten der Pfarrgemeinde St. Altfrid in Hildesheim Ochtersum. Ziel des Kurses war es, in 200 Stunden den Teilnehmenden aus Syrien, Somalia und Afghanistan durch den Erwerb von deutschen Sprachkenntnissen den Alltag zu erleichtern und eine soziale Orientierung im Nahraum zu ermöglichen. Durch die zeitlich und räumlich parallel stattfindende Kinderbetreuung wurde die Teilnahme von Frauen mit Kleinstkindern ermöglicht. Den Lehrkäften gelang es, die völlig unterschiedlichen Ausgangssituationen des Lernens – vom Analphabetismus bis zur Mehrsprachigkeit reichte das Spektrum - zu berücksichtigen und das Lerntempo darauf abzustimmen. Die heterogene Gruppe lernte auf diese Weise auch voneinander und prägte Arbeitsatmosphäre und Miteinander in Respekt und Wertschätzung. Der Pfarrgemeinde gebührt unser herzlicher Dank für die großzügige Breitstellung der Räumlichkeiten.

Franziska Wolf

Deutsche Sprache – schwere Sprache

Allseitiges interkulturelles Lernen im Rahmen eines Deutschkurses

Den Lernvorteil von Deutsch- und Integrationskursen sehen wir meist bei der Zielgruppe selbst. Das Beispiel des Kurses der Hildesheimer Geschäftsstelle der KEB in Giesen/Hasede, der mit Teilnehmenden vornehmlich aus dem Sudan und Somalia durchgeführt wurde, vermag zu illustrieren, dass diese Annahme - gottlob - nur eingeschränkt zutrifft. Der versierten Führung der Kursleiter Michael Herwig und Dr. Inge Petersen, beide Studienräte im Ruhestand, und der umsichtigen Begleitung von Armin und Gerlinde Jürß ist es zu verdanken, dass die Teilnehmenden über einen Zeitraum von mehr als 8 Monaten mehrheitlich über die verhältnismäßig lange Zeit bei der Stange blieben oder ihre Teilnahme aus begrüßenswerten Gründen beendeten. Das Curriculum wurde - ausgehend vom sog. „Tannhauser Modell“- sehr schnell geöffnet, außerdem bewährte sich die an den unterschiedlichen Fähigkeiten und Bildungsvoraussetzungen orientierte Arbeitsweise bestens. Die Vorbildung der Teilnehmenden erstreckte sich vom Analphabeten bis zum mittleren Bildungsabschluss, an Lebensjahren trennten die Teilnehmenden bis zu mehr als 20 Jahre. Die Kursleitung gestaltet den Unterricht lebensweltbezogen, was sich der Beobachterin bereits an der Begrüßung zeigt. Mit einem freundlichen „Guten Morgen“ betreten die Teilnehmenden schon nach den ersten Unterrichtseinheiten den Raum und es schließt sich ein kleiner „Small –Talk“ an – denn, irgendetwas geht immer. Der Lebensweltbezug macht auch vor der Hospitantin nicht halt, die sogleich auch erklären soll, wo in Deutschland die Stadt liegt, in der sie geboren wurde und in welchem der 16 deutschen Bundesländer diese liegt. Sodann erhält ein Teilnehmer den Auftrag im bereitliegenden Atlas den Ort zu finden und den Übrigen kenntlich zu machen. Dies selbstverständlich unter Nennung der Seitenzahl – man erinnere sich: erst der Einer, dann der Zehner, denn die deutsche Sprache ist auch bezüglich der Zahlwörter eigen. Apropos deutsch: selbstverständlich erfolgt auch eine Anwesenheitskontrolle mit einem Rückblick auf die Inhalte der letzten Unterrichtseinheit. Hier werden die unterschiedlichen sprachlichen Fähigkeiten der Teilnehmenden, die hier zusammen unterwegs sind, sehr deutlich. Während einige noch mit erheblichen Schwierigkeiten beim Verständnis wie auch der Aussprache zu tun haben, sind andere bereits in der Lage zu dolmetschen oder sind mit der Erörterung der 4 Fälle oder dem richtigen Präpositionengebrauch befasst – heißt es nun „im September oder in September“?

Die Kursleiter bewältigen die Aufgabe, diese höchst unterschiedlichen, höchst individuellen Lerngeschwindigkeiten und –-voraussetzungen zu begleiten und auf unterschiedlichen Ebenen für alle fruchtbar zu machen, bestens. Die Freude an der Erweiterung der kommunikativen Kompetenzen, die Woche um Woche fortschreitet, ist ihnen anzumerken. Die einen mag der unterschiedliche Kenntnisstand anspornen um bald ebenso eine Brückenfunktion einzunehmen, den anderen zeigt es, dass das Lernen sie in vielfältiger Hinsicht integriert, ohne dass sie den Kontakt zu den Schicksalsgenossen verlieren. Was zu lernen ist, ist vielfältig, da ist das lateinische Alphabet, die (manchmal) tückischen Regeln der Groß- und Kleinschreibung, die mit dem Merksatz: „Am Satzanfang und bei Nomen wird groß geschrieben!“ nur fürs Erste so umschrieben sind, um keine Entmutigung aufkommen zu lassen. Das Training der Lesekompetenz wird mit einem Zeitungsausschnitt kombiniert, was - ganz nebenbei - einen Abstecher in Landeskunde und Politik mit sich bringt. Die im Deutschen oftmals so unterschiedliche Aussprache gleicher Vokale stellt ebenfalls eine nicht geringe Schwierigkeit dar – und dann gibt es ja auch noch die Umlaute! Die phonetische Einheit schließt ab mit der Übung, in einem langen Satz mit –noch- unbekannten Wörtern jene, die zu betonen sind, zu isolieren und von dort den Sinn des Satzes zu erschließen und wiederzugeben. Eine alltägliche Anforderung für den, der die Dinge des täglichen Lebens in einem neuen sprachlichen Umfeld regeln muss.

Die beiden Kursleiter haben es in nur wenigen Wochen vermocht, eine freundliche und sehr konstruktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Zu spät Kommende werden mit Handschlag begrüßt, was einen kleinen Exkurs zum Thema kulturspezifische Höflichkeitsformen mit sich bringt, und nehmen dann Platz, um in den Fluss des Geschehens zu kommen.

Das Bemühen, stets nah an der Lebenswelt der Teilnehmenden zu bleiben um ihre Lernmotivation hoch zu halten, zeigt sich an folgender Übung. Die, bis auf eine Ausnahme, männlichen Teilnehmenden äußern alle den Berufswunsch „Automechaniker“; also ist es naheliegend anhand von mitgebrachten Werkzeugen nicht nur Verben wie „drehen, halten, schrauben…“ zu üben, sondern auch dazugehörige Präpositionen. In einer anderen Einheit werden drei Teilnehmende gebeten ein Fahrrad, ein Auto und einen Bus auf ein Blatt Papier zu malen. Anhand der gezeichneten Fahrzeuge wird so die Steigerung von „schnell“ geübt. Danach wird eine Tüte auf den Tisch gestellt, nacheinander sollten die Teilnehmer jeweils einen Gegenstand aus der Tüte ziehen und dabei erklären, was sie in der Hand haben, woraus sie es genommen haben und wo sie es jetzt hinlegen.

In einer modifizierten Aufgabenstellung wurde gefragt, welche Gegenstände zusammen passen, und um eine Erläuterung gebeten. Um das geschriebene Wort und seine Tücken nicht außer Acht zu lassen, schreiben die Teilnehmenden nun noch drei Sätze über das, was sie auf dem Tisch sehen, oder darüber, was sie eben gemacht haben. Nach der Korrektur tippen die Teilnehmenden diese Sätze in den Computer, welcher an einen Beamer angeschlossen ist und es so jedem ermöglicht, die Sätze mitzulesen. Auf diese Weise wird deutlich, wo die Lernschwerpunkte der einzelnen Teilnehmenden liegen und was in den kommenden Unterrichtseinheiten verstärkt in den Blick genommen wird.

Diese Beispiele sollen zeigen, wie kleinteilig der Erwerb einer anderen Sprache ist, und wie anwendungsorientiert ein solcher Unterricht für Erwachsene gestaltet sein muss, denn die Teilnehmenden haben keine äußere Verpflichtung diesen zu absolvieren oder durchzuhalten. In den Unterrichtsgesprächen geht es auch darum, Zugänge zur deutschen Kultur zu eröffnen, was beispielsweise beim Dauerthema „Sie oder Du?“ deutlich wird, oder beim Thema „Mülltrennung“. Bei einer Exkursion in den „Haseder Busch“, ein nahegelegenes Naturschutzgebiet, lässt sich am Beginn des Frühjahrs eindrucksvoll verdeutlichen, welche Bedeutung das Frühjahr für die Mitteleuropäer hat und was ein „Spaziergang“ ist. Anhand verwunderter Fragen der Teilnehmenden (die über die Mülltrennung hinausgehen) lernen auch die Kursleitenden, welche weiteren kulturellen Wunderlichkeiten sich den Afrikanern –sonntags bieten. So berichtet ein junger somalischer Teilnehmer davon, dass er beim Vorbeifahren neulich ein großes Haus sah, und davon, wie auf den Balkonen und Terrassen ausnahmslos betagte Menschen saßen – manche allein, manche zu zweit, aber alle betagt. Warum man das tue, alle alten Menschen in einem Haus unterzubringen und: wozu dieses gut sein soll, möchte ein Somalier jetzt erklärt haben. Nach Erläuterungen zum Konzept eines Seniorenheimes fragt der junge Mann dann erstaunt: „Haben die denn alle keine Familie?“

Der Haseder Sprachkurs, wird mit jenen, die ansonsten ohne Unterricht wären, auch nach Ende der 170 geförderten Stunden fortgeführt werden; ermöglicht wird dies auch durch zwei großzügige Spenden wie durch das feinfühlige und sachkundige Engagement der beiden Kursleiter. Das Engagement des Giesener Ehepaars Jürß, das unermüdlich das ermöglicht, was man auch „aufsuchende“ Bildungsarbeit nennt, ist unbezahlbar für eine Gesellschaft wie die Unsrige. Der Bundesinnenminister ruft ihnen und allen anderen, die sich für die Geflüchteten und damit für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft engagieren, nach den bitteren Vorfällen im Juli 2016 zu: „lassen Sie sich durch solche Vorfälle nicht erschüttern. Ihre Arbeit ist für unser Gemeinwesen unendlich wertvoll. Wir brauchen Sie und wir sind Ihnen sehr dankbar für Ihr Engagement. Machen Sie bitte weiter“.

Schade, dass es solcher Anlasse bedurfte für diesen Appell, gut, dass er gemacht wurde. Wir jedenfalls, schließen uns in der Hoffnung, dass er vielfältig gehört wird, an!

Gabriele Bonnacker-Prinz
Geschäftsstelle Hildesheim

 

Bericht zur Qualifizierungsmaßnahme zur integrativen Erziehung in Kindertageseinrichtungen

Ein neuer Raum für Kinder und Eltern

Für die Arbeit mit Eltern-/Kindgruppen steht uns eine zeitgemäße Räumlichkeit zur Verfügung.

Vorlesetag im November

Der Vorlesetag im November ist ein fester Termin im Haus – lesen macht klug und froh.

Einer, ist uns in ganz besonderer Erinnerung:

Fachtag der Sprachforderkräfte

"Rucksack" zum Thema Interkulturalität

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Die Rolle von Tradition und Religiosität

Beobachtungen auf einem muslimisch-christlichem Studientag

In Zusammenarbeit und unter Finanzierung der Stadt Hildesheim, dem Land Niedersachsen, der Johannishofstiftung der Bürgerstiftung Hildesheim und in Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt, koordiniert durch die Lebenshilfe-Hildesheim e.V. und gemeinsam mit der KEB bzw. deren Familienbildungsstätte werden im Stadtgebiet Hildesheim in zahlreichen Kindertagesstätten Rucksackgruppen (vgl. www.raa.de) implementiert, koordiniert und pädagogisch begleitet. Das Rucksackprogramm ist ein Sprachförderkonzept für Kinder mit –aber auch ohne Migrationshintergrund, welches die Sprachförderung mit Elternbildung in solchen Institutionen verzahnt, in denen die Kinder ohnehin betreut werden.

Im Rahmen der Rucksackmaßnahmen an denen die Familienbildungsstätte der KEB beteiligt ist und in welchen Mütter aus dem gesamten muslimischen Kulturkreis miteinander in einer muttersprachlich homogenen Gruppe zusammen die Rucksackmaterialien bearbeiten, entstand der Wunsch, mehr über den Islam und seine Rolle im familiären Alltag zu erfahren.

Das Grußwort von Dr. habil. Dursun Tan, im niedersächsischen Sozialministerium zuständig für Grundsatzfragen der Integration, bereitete dem folgenden Studienhalbtag so launig wie authentisch den Boden. In seiner ersten Zeit als muslimischer Junge im katholischen Köln, so der Soziologe, hätten ihm und seiner Mutter die Frauen mit den weißen Kopftüchern im katholischen Krankenhaus schnell geholfen, Vertrauen zur neuen Umgebung zu fassen.

Corrinna Gomani M.A., Hannover, und Dr. habil Dursun Tan, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration

Die Politologin Corrinna Gomani, u.a. Lehrbeauftragte an der Universität Hildesheim, begann dann ihre Ausführungen mit einer Befragung zu der hier abgebildeten Installation.

"Welche der dargestellten Frauen könnte Muslima sein?" war die Einstiegsfrage, und einhellig lautete die vielstimmige Antwort: es könnten alle sein.

Beginnend mit dieser Dekonstruktion muslimischer Frauenbilder, entwickelte sich -nicht zuletzt durch die Fragen der Teilnehmerinnen- in den Räumen einer katholischen Bildungseinrichtung eine anregende Entfaltung der Spezifika und Inhalte muslimischer Lebens- und Glaubensformen und deren Multikulturalität. Dies reichte von Erläuterungen zu Entstehung und Unterschiedenheit der sunitischen und schiitischen Glaubensrichtung, sowie der Bedeutung des Religiösen im Leben des Einzelnen überhaupt. Bis hin zu der Frage, was nötig wäre um die sogenannte „religiöse Ambiguität“ ein Teil unserer Alltagskultur werden zu lassen und welche Früchte dies tragen könnte. Zunächst -und entgegen der ursprünglichen Annahme der Veranstalter- wünschten sich die mehrheitlich muslimischen Teilnehmerinnen Informationen und Stellungnahmen von Frau Gomani zu Fragen der muslimischen Lehre und Tradition.

Teilnehmerinnen des Studientages

Auf diese Weise wurde für die Institutionen, die im Jahr 2011 insgesamt 22 Rucksackgruppen in der Stadt Hildesheim organisatorisch und pädagogisch begleiten einmal mehr deutlich, dass die Wirkungen der Arbeit mit dem Konzept äußerst vielfältig sind. Hier wären beispielsweise die Sensibilisierung der Eltern für die Bedeutung ihrer Elternrolle zu nennen, die Förderung der so zentralen primären muttersprachlichen Sprachvermittlung, die Aktivierung der oftmals isolierten Mütter von Vorschulkindern als wichtiger Beitrag zur Integration – aber bei Gelegenheit solch flankierender Maßnahmen: die Förderung der Identität der beteiligten Mütter wozu der religiöse Aspekt ganz wesentlich zählt.

Für die Veranstalter –allesamt mindestens christlich sozialisiert- war es in mancher Hinsicht ein wichtiger Meilenstein, wie im Zuge der religiösen Unterweisung für Muslime mit einem Mal ein gemeinsames Erbe zur Sprache kam: Jenes nämlich der Stammmütter Sarah und Hadjar/Hagar. Den Teilnehmenden jedweden religiösen Hintergrundes waren beide woh lbekannt, doch -wie sich schnell herausstellte- trug die Erinnerung an die konkrete Geschichte der beiden Frauen deutlich die Züge der jeweiligen Religionszugehörigkeit. Und so nennen Christen und Muslime auf die Frage: „Wie hieß der Sohn Abrahams?“ zwei unterschiedliche Namen. Am Ende der Re-Konstruktion des familiären Dramas, das zwei bzw. drei Weltreligionen begründete, sind alle etwas verwirrt über dieses Ergebnis und die Selbstverständlichkeit und Unaufgeregtheit, in der beide Seiten Ismael und Isaak/Israel nennen. Doch ungeachtet der Dramatik dieses Ursprungs ist es für die Nachkommen von Sarah und Hadjar eine Ermunterung, dass beide Kulturen, die jüdisch/christliche und die muslimische, im selben kulturellen Humus wurzeln .Wirklich ermunternd – nicht nur für Veranstaltungen dieser Art.

Kornblumen, Mohnblumen: Das Schlesien meiner Kindheit

Weihbischof Koitz zu Besuch in einer Seniorengruppe der Familienbildungsstätte der KEB

Durchschnittlich 9 Menschen im siebten und achten Lebensjahrzehnt, deren Wurzeln sich im ehemals deutschen Schlesien befinden, treffen sich allmonatlich in der Familienbildungsstätte der KEB. Zwar ist diese Gruppe verbunden durch die geographische Herkunft, dennoch ist man verblüfft, wie unterschiedlich sich die Lebenswege unmittelbar nach Flucht oder Vertreibung gestaltet haben. Einige Mitglieder kamen –mehr oder minder als Kinder- direkt nach Niedersachsen, einige gelangten in die ehemalige DDR oder andere Bundesländer und hatten einen längeren Weg in die heutige Heimat.

Die Themen, die sie besprechen berühren ihre kulturelle Prägung, die sie alle stark wahrnehmen. Einige von ihnen fanden sich dann als junge Erwachsene und heirateten. Die Erinnerungen an das Gepräge der Landschaft, die typisch schlesischen Korn- und Mohnblumen und die Freude am sich-mitteilen überhaupt, das verbindet -nach dem Eindruck der Gruppe- alle ehemaligen Schlesier. Die Pflege guter gemeinsamer Erinnerungen spiegelt sich auch in der Themenpalette dieser Gruppe unter einfühlsamer Leitung der gelernten Gemeindereferentin und schlesischen Aussiedlerin der 80er Jahre, Hildegard Piegsa. Themen wie „Der Breslauer Dom“, „Gottesbilder“, „Kreuzsymbole“, „Kardinal Bertram“ oder Themen wie „schlesische Weihnachtsbräuche“ und „schlesisches Liedgut“ regen sehr zum Austausch an. Obgleich die Gruppe sich bereits seit fünf Jahren mit stabiler Besetzung –aber auch mit Neuzugängen- trifft, gibt es immer wieder Themen, die mit der Region in der sie geboren wurden und die sie kulturell bis heute spürbar geprägt hat, verbinden und sie anregen, zu ganz anderen Fragen der Lebensbewältigung zu gelangen. Was ist uns wesentlich im Leben? Was hat Bestand auch im Alter und bei schwindender Lebenskraft?

Zu einem der monatlichen Treffen gesellt sich ein bekannt gewordener ehemaliger Schlesier: der Hildesheimer Weihbischof Koitz, was die Gruppe mit großer Freude aufnimmt. Hans-Georg Koitz, geboren 1935, erzählt von seinem Elternhaus, dem Versuch seiner Mutter die Konditorei mit kleinen Kindern und ohne Ehemann weiterzuführen, von riskanten „Kriegsspielen“ im Munitionsdepot, das im elterlichen Betrieb untergebracht worden war und auch davon, wie die Mütter dann später im Übergangslager im niedersächsischen Helmstedt sich - mit dem Finger auf der Landkarte – sich mit anderen zusammen taten, um in den angegebenen Orten die kontingentierten Plätzte zum Neubeginn einnehmen zu können. Mit dieser, aber besser nicht mit jener Familie, und gern in räumlicher Nähe zur Kirche…

An dieser Stelle seines Berichtes werden die Gruppenteilnehmer lebendig – ja, genau so war das damals als man neu begann –das waren die Kriterien. Dem Bischof gelingt es an diesem Vormittag, das „sich erinnern“ in der Waage zu halten – die noch immer spürbare Betroffenheit derer, die „einquartiert wurden“, jener auch ganz speziellen Betroffenheit derer gegenüber zu stellen, die ungefragt „Einquartierung“ bekamen. So wird an diesem Vormittag spürbar, dass es noch immer nötig, aber-gottlob- auch möglich ist, die Kinder von einst aus ihrem tief empfundenen Opfers-sein in die Verantwortung von Erwachsenen zu führen, die nun den wesentlich längeren Teil ihres Lebens als Erwachsene sehr aktiv gestaltet haben. Es bleibt zu hoffen, dass es durch den bewussten Rückblick auf prägende Jahre und im Bewusstsein dessen, dass es immer noch etwa zu bewältigen gibt und geben wird, es den Einzelnen gelingt, weiterhin flexibel mit dem umzugehen, was der Lebensweg zur Gestaltung vorgibt.

Die Gruppe trifft sich jeweils am letzten Mittwoch im Monat von 10:30 -12:00 Uhr.


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